Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz.
Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate. (Jes 50,5-7)

Neunte Station: Ohnmacht

Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz.

Der ganze Lebensweg Jesu war der Weg der verwundeten und gekreuzigten Liebe Gottes – ohne Macht im weltlichen Sinn. Diese Ohnmacht durchleidet erbei seinem dritten Fall unter dem Kreuz intensiv. Die verkrampften Füße haben den Boden unter sich verloren, die ausgestreckten Hände finden keinen Halt mehr. Jesu rechte Hand ragt ein wenig aus dem Bild heraus, als suche er beim Betrachter Halt und Hilfe. Menschen, die ein behindertes Kind zur Welt gebracht haben, spürten und spüren oft ihre Ohnmacht, wenn sie ihr Liebstes anderen Menschen anvertrauen müssen. Auf diesem Friedhof ist ihre Ohnmacht ans Ende gekommen; an ein Ende, das zugleich Beginn eines neuen Lebens in Fülle ist, welches der Macht der gekreuzigten Liebe Gottes entspringt.

Das Leben der Christen kennt die Erfahrung der Freude und die des Leidens. Wie viele Heilige haben die Einsamkeit erlebt! Wie viele Gläubige, auch in unseren Tagen, sind geprüft durch das Schweigen Gottes, während sie seine tröstende Stimme hören möchten! Während die Prüfungen des Lebens es erlauben, das Kreuzesmysterium zu verstehen und an den Leiden Christi teilzuhaben (vgl. Kol 1,24), so sind sie ein Vorbote für die Freude und die Hoffnung, zu denen der Glaube führt: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ (2 Kor 12,10)