Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet. Alle, die mich sehen, verlachen mich, verziehen die Lippen, schütteln den Kopf: „Er wälze die Last auf den Herrn, der soll mich befreien! Der reiße ihn heraus, wenn er an ihm Gefallen hat.“ Du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog, mich barg an der Brust der Mutter. Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, vom Mutterleib an bist du mein Gott. Sei mir nicht fern, denn die Not ist nahe und niemand ist da, der hilft. (Ps 22,7-12)

Siebte Station: Erschöpft

Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz.

Die Begegnung mit der Mutter, die zupackende Hilfe Simeons, der Trost Veronikas scheinen nur kleine Funken der Hoffnung auf dem dunklen Kreuzweg gewesen zu sein. Jesus fällt ein zweites Mal erschöpft unter der Last des Kreuzes. Zum körperlichen Schmerz kommt noch der seelische, den ihm der Spötter am Rand zufügt. Der ausgestreckte Finger und die vor den Mund gehaltene Hand zeigen, dass auch Jesus Hohn, Spott und üble Nachrede niedergedrückt haben. Er liegt im wahrsten Sinne des Wortes bei den Gefallenen.

Vielleicht hat dies manche der Menschen getröstet, die auf diesem Kriegsgräberfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Die Ernsthaftigkeit des Glaubens an Gott zeigt sichin unserer Zeit ganz praktisch im Eintreten für das Geschöpf, das er als Ebenbild wollte – für den Menschen.Wir leben in einer Zeit, in der die Maßstäbe des Menschseins fraglich geworden sind. Ethik wird durch das Kalkül der Folgen ersetzt. Demgegenüber müssen wir als Christen die unantastbare Würde des Menschen verteidigen, von der Empfängnis bis zumTod. (...) Die Bereitschaft, in den Nöten dieser Zeit über den eigenen Lebensrahmen hinaus zu helfen, ist eine wesentliche Aufgabe des Christen.