Jesus wird seiner Kleider beraubt.
Sie verteilten unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand. (Ps 22,19)

Zehnte Station: Würdelos

Jesus wird seiner Kleider beraubt.

Zwei Szenen aus der Passion Jesu sind in diesem Bild zusammengefasst:
Die Soldaten nehmen Jesus vor der Kreuzigung die Kleider vom Leib; die letzte Bloßstellung auf dementwürdigenden Weg seit seinem Verhör und seiner Verurteilung. Die Soldaten würfeln nach der Kreuzigung Jesu um sein Obergewand. Die Kleider eines zum Tode Verurteilten standen ihnen zu und sie zerteilten sie. Jesu Obergewand, aus einem Stück gewebt, war jedoch unteilbar: Zeichen dafür, dass die Jüngerinnen und Jünger Jesu in Einheit leben sollen. Im linken Arm Jesu ist eine Nummer graviert: 37138. Es ist die KZ-Nummer des aus Tungerloh-Pröbstingstammenden Priesters August Wessing. Der über sechzigjährige Pfarrer litt ungemein unter den Schikanen und Bloßstellungen der NS-Schergen. Seinem Herrn fühlte er sich jedoch besonders nah.

Das Leben verläuft nicht gleichmäßig. In ihm gibt es Zeiten der Fülle und Spannkraft, solche der Leere und Kraftlosigkeit, dazwischen Übergänge verschiedener Art. Auch kommen mancherlei Einflüsse von außen, helfend oder hindernd, ermutigend oder störend. Andere Veränderungen entspringen aus der Gestalt des Lebens selbst. Der Morgen ist nicht wie der Mittag, der Tag nicht wie die Nacht, und im Fortgang des Jahres erfährt die Verfassung des Menschen tiefgehende Wandlungen.