Feierliche Messe an der Wiesch-Wessing-Gedenkstätte

Sonntag um 11.00 Uhr in Tungerloh-Pröbsting

„Mir nach spricht Gott der Herre Christ“, so beginnt ein bekanntes Kirchenlied. Dechant August Wessing war ein Mensch, der diesem Ruf folgte und dafür unter dem NS-Regime am 4 .März 1945 im KZ Dachau starb.

Aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der August-Wessing-Gedächtnisstätte in seinem Geburtsort Gescher, Tungerloh-Pröbsting feierte die Gemeinde eine feierliche hl Messe. August Wessing, der „Der Heilige von Dachau“ genannt wird, hat in seiner Heimat eine große Anhängerschar, besonders natürlich in Tungerloh-Pröbsting, wo er auf dem elterlichen Hof neben sechs weiteren Geschwistern aufwuchs.

Der Gedanke, ihm eine würdige Gedächtnisstätte zu errichten, keimte lange. Vor dreißig Jahren war es soweit, dass in unmittelbarer Nähe des Schützengeländes der St. Antonius-Schützengilde eine kleine Kapelle errichtet werden konnte. Hier versammelten sich am Sonntag die Gläubigen um gemeinsam mit Pfarrer Hendrik Wenning die Hl. Messe zu feiern. Die kleine Kapelle konnte die große Zahl der Besucher bei weitem nicht fassen, so dass es eine „Open-air-Feier“ wurde. Ein Sonnenschutz, in Form eines Fallschirmes war aufgehängt worden.

In seiner Predigt ging Pfarrer Wenning auf das Leben des Priesters August Wessing ein und zog Parallelen zur heutigen Zeit. Der 1907 zum Priester geweihte August Wessing war von den nationalsozialistischen Machthabern eingekerkert worden, weil er er notleidenden Menschen geholfen hatte. Als Pfarrer in der Gemeinde Hoetmar bemühte er sich insbesondere Kindern und Jugendlichen Halt und Kraft aus dem Glauben zu geben. So errichtete er im Pfarrhaus Klassenzimmer in denen er den mittlerweile aus den Schulen verbannten Religionsunterricht ausübte. Dieses wurde von den NS als Sabotage gedeutet. Als „Begünstigung des Feindes“ wurde gewertet, dass Wessing einem ukrainischen Mädchen, das bei einem Kötter in Hoetmar untergebracht war, Kleidung nähen ließ. „Es gehört nicht zu unserem Christentum, hunderte, tausende Menschen im Mittelmeer ersaufen zu lassen.

Es können und dürfen, egal wo, keine Ausländerfeindlichen Parolen geschrien werden“, sagte Pfarrer Wenning in seiner eindrucksvollen Predigt; letztendlich seien alle Menschen Ausländer fast überall auf der Welt. Es gelte für Christen Partei für Minderheiten zu ergreifen. Das gelte auch für das ungeborene Leben. Am 19. Juli 1942 wurde Dechant Wessing in seinem Wirkungsort Hoetmar verhaftet, und nach Münster gebracht und weiter ins KZ Dachau. 1945 brach in dem Lager der Flecktyphus in dem Lager aus, an der auch Wessing erkrankte und letztendlich am 4. März 1945 kurz vor Ende des 2. Weltkrieges starb. Nach seinem Tod sagte der damalige Bischof von Münster, Kardinal Clemens-August Graf von Galen, der auch als „Löwe von Münster“ bekannt ist: „Betet nicht für August Wessing, sondern zu August Wessing.“ Die Urne mit der Asche des „Heiligen von Dachau“ wurde in den Sockel des Friedhofkreuzes in Hoetmar eingelassen. Nicht nur in Hoetmar, wo er als Pfarrer tätig war, sondern besonders in seiner Heimat gibt es zahlreiche Verehrer des Priesters. Die zahlreich brennenden Kerzen in der kleinen Kapelle tragen davon Zeugnis. Im Jahr 1989 wurde die Gedenkstätte auf Initiative von Dr. Bernhard Bentfeld, ebenfalls ein Priester aus Tungerloh, errichtet und am 15. Okt. 1989 eingeweiht.

Der Förderverein der Wiesch-Wessing-Gedenkstätte e.V. kümmert sich mit engagierten Helfern um ein würdevolles Bild der Gedenkstätte.

Fotos F.-J. Schulenkorf