Christen im Nationalsozialismus in Gescher

Publikation von Studienrat Hendrik Lange, Lehrer an der Gesamtschule Gescher

„Fast die gesamte Bevölkerung des Amtes Gescher bekannte sich in der Zeit bis zum 2. Weltkrieg zur röm.-katholischen Religion. 1926 gab es in Gescher 7 evangelische Christen und 18 Juden, in Harwick 2 und im Hochmoor 45 Evangelische.“

Die Handvoll Bekenntnisloser konnte Dr. Hans HÜER ruhig übersehen und es wird klar, warum das Thema dieser Publikation interessant ist: Gescher war ein katholisches Dorf. Warum heißt es dann im Titel „Christen“ und nicht explizit „Katholiken“? Zum einen, weil ebenso über die evangelischen Christen berichtet wird und zum anderen, weil der ökumenische Gedanke auch bei der lokalen Aufarbeitung von Kirchengeschichtsthemen mitbedacht werden sollte. Über die jüdische Gemeinde liegt eine neuere Arbeit vor und durch den positiven Zuspruch, denn ich von verschiedenen Seiten hierfür erfahren habe, habe ich mich nun der christlichen Seite zugewandt. Diese Publikation bietet einen Überblick und macht auf Lücken in der Überlieferung wie in der Forschung aufmerksam. Sie möchte zudem Impulse zur weiteren Beschäftigung geben. Zum Beispiel wird selbst in aktuellen biographischen Artikeln kaum auf die NS-Zeit eingegangen. Zudem wäre es lohnend, sich näher mit den zahlreichen Ordensschwestern aus Gescher zu beschäftigen oder mit Gescheranern, die zum Priester geweiht wurden. Diese Publikation liefert nicht nur für Lehrende Impulse für den Unterricht, sondern die Impulse der Fragenkataloge laden alle Interessierten ein, sich selbst ein Bild zu machen.

Wer noch gar nicht mit der Thematik vertraut ist, kann sich gut mit dem Überblicksartikel auf der Homepage des Bistums Münster informieren. Die primäre Literatur- und Quellengrundlage für Gescher bilden der Bild- und Berichtband von Willi WIEMOLD (2015) und die Festschriften der katholischen (1985) und der evangelischen (2002) Kirchengemeinde. Ich hoffe, diese Publikation findet ihre Leser, und zwar Schülerinnen und Schüler, Heimatfreunde wie Forscher, und einfach interessierte Gescheraner – egal ob zugezogen oder alteingesessen und egal welcher Glaubensauffassung.

Gescher im April 2018

Hendrik M. Lange

 

Publikation von Hendrik Lange zum Herunterlalden

 

 

Pfarrkirche St. Pankratius

Adresse: Kirchplatz 19, 48712 Gescher


Öffnungszeiten:

Sommerzeit: 8.00 Uhr – 18.00 Uhr
Winterzeit: 8.00 Uhr – 17.00 Uhr


Zur Bauhistorie:

Die Pfarrkirche St. Pankratius war ursprünglich eine Eigenkirche des Stiftes Borghorst. Im Jahr 985 wurden Reliquien des hl. Pankratius von Rom in die Benediktinerabtei Gent übertragen. Da das Borghorster Damenstift den Heiligen stark verehrte und sich bis heute Reliquien des Pfarrpatrons im Besitz der Pfarrkirche befinden, ist davon auszugehen, dass über die damals sehr lebendigen Handelsbeziehungen zwischen Gent und dem westlichen Münsterland Reliquien des Heiligen nach Borghorst und Gescher gelangt sind. Somit kann die Errichtung der St. Pankratius-Kirche beinahe zweifelsfrei in die Zeit der Reliquienstiftung, d.h. um 985, datiert werden.

Die erste steinerne Kirche wurde im 12. Jahrhundert, wahrscheinlich im romanischen Stil, erbaut. Die Kernsubstanz der heutigen Pfarrkirche St. Pankratius geht auf den dritten Kirchenbau zurück. Zwischen 1490 und 1510 baute Henrik de Suyr eine dreischiffige Hallenkirche mit einem fünf-achtel Abschluss, dem heutigen Chorraum, wobei er die Bruchsteine aus dem Vorgängerbau wiederverwendete. 1887-1888 wurde Hilger Hertel d.Ä. mit diversen Erweiterungsbauten betraut. Er riss den im Kern aus dem 12. Jahrhundert stammenden Glockenturm ab, fügte im nun offenen Westen ein weiteres Mittelschiffjoch und zwei daran angebundene, hoch aufragende Querhäuser an, errichtete im Norden und Süden zwei weitere Seitenschiffe und baute über dem südlichen Querhaus einen 78 Meter hohen Kirchturm. Der heutige Innenraum hat eine Länge von 50,5 Meter und eine Breite von max. 28,5 Meter.

Im Jahr 2007 fand eine umfassende Innensanierung der Pfarrkirche Statt. Im Sommer 2014 soll die Außensanierung der Kirche abgeschlossen werden können.

Besondere sakrale Ausstattungsstücke:

 a)      Steinretabel mit Tabernakel (1982, Prof. Elmar Hillebrand, Köln): Zu sehen ist der am Weinstock gekreuzigte Christus. Die zwölf Apostelfiguren (15. Jh.) sind als Früchte des Weinstocks Christi zu verstehen.

b)      Zelebrationsaltar (1982, Prof. Elmar Hillebrand, Köln)

c)       Im nördlichen Querhaus steht der mittelalterliche Taufstein (Ende des 12. Jahrhunderts). Geschmückt ist er mit Rankenornamenten. Getragen wird er von vier Löwen. Der Deckel wurde von H. G. Bücker aus Beckum-Vellern gestaltet.

d)      An der Nordseite befindet sich eine Holzfigur des hl. Ludgerus (um 1500), des Gründers des Bistums Münster

Orgel:

Die Orgel stammt aus der Werkstatt der Firma Stockmann, Werl. Sie wurde 1951 in Dienst genommen und hat derzeit 42 klingende Register und einen Spieltisch mit vier Manualen. Das Instrument soll im Endausbau 51 Register zählen.

Die Disposition des Orgelwerkes:

I. Manual, Rückpositiv:
1.  Rohrflöte 8'
2.  Holzquintade 8'
3.  Kleinprinzipal 4'
4.  Koppelflöte 4'
5.  Schwiegel 2'
6.  Quinte 1 1/3'
7.  Sesquialter 3f.  2 2/3
8.  Scharff 4f.  1'
9.  Dulzian 16'
10. Krummhorn 8'
      Tremulant

II. Manual, Hauptwerk:
11. Prinzipal 16'
12. Pommer 16'
13. Prinzipal 8'
14. Spitzgamba 8'
15. Singend Gedackt 8'
16. Oktave 4'
17. Spillpfeife 4'
18. Nachthorngedackt 4'
19. Quinte 2  2/3'
20. Oktave 2'
21. Rauschpfeife 4f.
22. Mixtur 6-8f.  2'
23. Trompete 16'
24. Trompete 8'


III. Manual, Schwellwerk:
25. Prinzipal 8'
26. Weidenpfeife 8'
27. Gedackt 8'
28. Weitprinzipal 4'
29. Violflöte 2'
30. Blockflöte 2'
31. Schweizerpfeife
32. Mixtur 4f.
33. Trompete 8'
34. Oboe 8'
      Tremulant

Pedal:
35. Prinzipalbass 16'
36. Subbass 16'
37. Oktavbass 8'
38. Spitzgedackt 8'
39. Choralbass 4'
40. Piffard 3f.  2'
41. Posaune 16'
42. Trompete 8'

Koppeln:
Manualkoppel   II / I
Manualkoppel   III / I
Manualkoppel   I / II
Manualkoppel   III / II
Suboktavkoppel II / I
Pedalkoppel   I
Pedalkoppel   II
Pedalkoppel   III


Glocken:

Im Turm der Kirche hängen fünf Bronzeglocken. Sie wurden 1949 in der hiesigen Gießerei Petit und Gebrüder Edelbrock gegossen:

1. Michaelsglocke, Ton H°, Durchmesser: 1,70 m, 3.162 kg

2. Pankratiusglocke, Ton D', Durchmesser: 1,40 m, 1.720 kg

3. Maria-Magdalena-Glocke, Ton E', Durchmesser: 1,24 m, 1.227 kg

4. Antonius-Glocke, Ton  Fis', Durchmesser: 1,10 m, 828 kg

5. Herz-Jesu-Glocke, Ton A', Durchmesser: 0,91 m, 471 kg

Die Glocken können unter folgendem Link gesehen und gehört werden:

www.youtube.com/watch?v=kP7dcmfOUgk

Pankratius im Religionsunterricht

Hendrik Lange erarbeitete Unterrichtshilfen.

Kürzlich überraschte Hendrik Martin Lange, seines Zeichens Religionslehrer an der Gesamtschule Gescher, Pfarrer Ralph Forthaus mit zwei Unterrichtsentwürfen zu Kunstwerken der Pfarrgemeinde St. Pankratius und St. Marien. Die erarbeiteten Unterlagen beziehen sich zum einen auf das in Sandstein gehauene Relief der „Gregorsmesse“ (um 1500) aus der Autobahnkapelle St. Antonius in Tungerloh und zum anderen um die gläserne Darstellung der Hinrichtung des heiligen Pankratius, die von der Fa. Derrix um 1900 für die Pfarrkirche St. Pankratius ausgeführt wurde.

Neben grundlegenden und gut recherchierten Informationen zum jeweiligen Kunstwerk und dessen theologischen Hintergründen weisen die Entwürfe auch Arbeitsblätter auf, die die Schülerinnen und Schüler zur persönlichen Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk anleiten wollen.

Hendrik Lange möchte durch seine Arbeit zum einen die „Schnittmenge“ von Gesamtschule und Pfarrgemeinde vergrößern. Zum anderen ist es ihm wichtig, Kindern und Jugendlichen durch die Erschließung heimische Kunstwerke den Zugang zum christlichen Glauben zu erleichtern. Er erklärt: „Ein Kunstwerk bewusst wahrnehmen und sich mit ihm einen oder besser mehrere Augenblicke zu beschäftigen, kann eine bereichernde Erfahrung ermöglichen.“

Der Autor bot zudem Pfarrer Forthaus an, seine Entwürfe auch auf der Homepage der Pfarrei zu veröffentlichen, damit diese so auch für die Gemeindekatechese oder für interessierte Gemeindemitglieder zugänglich gemacht werden können.

Pfarrer Forthaus bedankte sich bei dem engagierten Pädagogen für seine lokal angebundenen religionspädagogischen Arbeiten. Er wünschte den Entwürfen Langes eine weite Verbreitung und freut sich bereits auf weitere Impulse aus der Feder des jungen Lehrers.

Downloads:

HIER geht es zum Unterrichtsentwurf zum Martyrium des hl. Pankratius

HIER geht es zum Unterrichtsentwurf zur "Georgsmesse"