Eigentlich sind die Tungerloher große Verehrer des Hl. Antonius. Doch seit mehr als 450 Jahren pilgern sie alljährlich zu Fuß zum Annaberg in Haltern um der Mutter Anna wie man sie liebevoll nennt, zu verehren. Stets am dritten Wochenende im August zieht es die Pilger aus Gescher-Tungerloh und Umgebung teilweise sogar mit großer Anreise nach Haltern, so auch am Samstag. Nachdem das Pilgerkreuz aus der St. Antonius-Kapelle geholt worden war, ging es in Richtung Hochmoor. Hier schlossen sich weitere Pilger der noch kleinen Schar an. Singend und betend ging es weiter nach Reken. Nach der fast unerträglichen Hitze der vergangenen Tage, traf man jetzt auf ein gutes Wanderwetter. Nach einer kurzen Mittagspause traf man sich in der Alten Kirche, die heute als Sakral-Museum fungiert, zu einem Gebet, bevor es über Fuß- und Wirtschaftswege durch die Hohe Mark dem Annaberg entgegenging. Mittlerweile war die Zahl der Pilger weiter angestiegen, schlossen sich doch weitere Männer, Frauen und Jugendliche der Gruppe an. Knapp dreißig Gläubige zählte Klaus Herbstmann. Unter dem Geläut der Kirchenglocken ließ man auch Reken hinter sich
Freundlich empfangen werden die Pilger alljährlich in der Bauerschaft Surendorf von den Nachbarn der dortigen, 1988 wiedererrichteten, Kapelle. Es gehört zur Tradition, dass die Pilger hier mit Getränken versorgt werden. „Ab hier beginnt die schönste und landschaftlich reizvollste Wegstrecke zum Annaberg“, weiß Thomas Heisterkamp, einer der Organisatoren. Seit seiner Kindheit gilt die Annaberg-Wallfahrt zu einem festen Termin in seinem Kalender. Die hügelige Wegstrecke zum Annaberg führt ab hier über Waldwege, verschlungene Pättkes und Wanderwege. Die Glocke der Wallfahrtskapelle erklingt, als die Pilgergruppe den Wallfahrtsort nach einer gut 32 Kilometer zählenden Wanderstrecke erreicht. Etwas ermüdet vom Wandern jedoch mit sich selbst zufrieden endet der Wallfahrtstag mit dem Entzünden der Pilgerkerze in der Kapelle während das Lied „In dieser Nacht ...“ gesungen wird. In der Regel zählt die Wallfahrt ca. 25 bis 30 Teilnehmer, weiß Heisterkamp dieses mal war die Gruppe auf sogar 33 Teilnehmer gewachsen. In seiner Kinderzeit habe die Anzahl auch über 100 Gläubige betragen. Für die Pilger ist es jedes mal ein erhabenes und befreiendes Gefühl den Weg zum Annaberg gelaufen zu sein. Sicherlich habe auch das vorausgesagte beste Wanderwetter dazu beigetragen hieß es. Die Pilgergruppe aus Gescher-Tungerloh ist mittlerweile die einzige, die sich fußläufig auf den Weg zum Annaberg macht, um "Mutter Anna" als auch die Gottesmutter zu verehren.
